Eroberung der Stadtfuge.

Gleise zum Sitzen

Die Eroberung des historischen Bahndamms als Fuge zwischen Ober- und Unterstadt war der Planungsansatz der Stadt Grebenstein (Hofgeismar) und Planungsaufgabe für unser Büro. In Kooperation mit dem Büro Arbeitsgruppe Stadt (Kassel) entstanden 2015 blühende Aufenthaltsbereiche und eine neue Wegeverbindung in Promenaden-Atmosphäre.

Innerhalb des Kernbereichsmanagements in Grebenstein im Rahmen des Bund-/Länderprogramms 'Aktive Kernebereiche in Hessen' wurde für die Stadt unter anderem das Konzept 'Grüne Spange Grebenstein' von der Arbeitsgruppe Stadt aus Kassel erarbeitet. Der Freiraum zwischen den zentralen Stadtteilen Ober- und Unterstadt wurde seit Anfang des 19. Jahrhunderts immer wieder überformt. Eine Bahnlinie, erhöht auf einem Damm war das prägendste Element, auch nach der Stilllegung der Strecke und stellenweise baulichen Inanspruchnahme. In enger Abstimmung mit bürgerschaftlichen Arbeitsgruppen wurde ein Gestaltungsentwurf erarbeitet. Die Historie des Ortes sollte dabei innerhalb des Neugestaltungskonzeptes berücksichtigt werden.

Das zentrale Element des Entwurfes stellen die stilisierten und interpretierten, historisch bedingten Gleiselemente dar. Hochbeete dienen dem neugestalteten Raum nicht nur als Absturzsicherung, zusätzlich bilden diese eine räumliche Kante in Bezug auf Höhe und Bepflanzung. Holzauflagen auf den hellen Betonmauern der Hochbeete laden zum verweilen ein und erstrecken sich über das gesamte Bearbeitungsgebiet. Desweiteren befinden sich drei Sitzblöcke im südwestlichen Bereich und markieren hier die südliche Eingangssituation des Areals Friedrich- Wilhelms- Nordbahn. Ein heller Bodenbelag aus großformatigen Betonsteinplatten unterstützt die geradlinige Form des Freiraums und leitet den Bewegungsstrom hindurch. Eine neu installierte Stufenanlage führt vom Bahndamm hinab in die Unterstadt und definiert damit eine ganz neue Wegeverbindung innerhalb der Stadt Grebenstein. Bei allen steinernen Flächen ist es doch eine grüne Wegeverbindung, denn über 2000 neue Pflanzen, wie Bäume, Sträucher, Wildstauden, Gräser und Zwiebeln sind hier in den Boden gebracht worden. Ausführende Firma für alle Gewerke des Landschaftsbaus war Friedrich KLEI Landschafts-, Sportstätten- und Straßenbau, Baunatal.

Die Friedrich- Wilhelms- Nordbahn entstand ab dem Jahre 1844 und führte von Kassel nach Karlshafen. Der Abschnitt Grebensteins wurde 1848 eröffnet. Der ehemalige Bahndamm Friedrich- Wilhelm Nordbahn befindet sich zwischen Oberstadt und Unterstadt. Hier ist auch heute noch eine klare Schneise durch die langgezogene Brache erkennbar.

Auf Einladung des Kernbereichsmanagements wurde im Frühjahr 2011 eine Ortsbesichtigung mit interessierten Bürgern der Stadt durchgeführt. Im Fokus der Begehung stand der geplante Freischnitt des über die Jahre zugwucherten ehemaligen Bahndamms. Anhand von historischen Fotos und der Inaugenscheinnahme der aktuellen Situation wurde festgelegt, den Bahndamm konsequent freizuschneiden. Nach dem erfolgten Freischnitt stellt sich der Bahndamm wieder erkennbar als prägendes Element im Stadtbild dar. Ebenfalls hat die Ortsbesichtigung / Bestandsaufnahme deutlich gezeigt, dass Teile des Mauerwerks und des Viadukts einer grundhaften Sanierung bedurften.

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